Frozen Shoulder

Warum Steifheit nicht gleich Stillstand bedeutet – dein Schultergelenk kann sich regenerieren.

Das Wichtigste zuerst

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Tritt am häufigsten zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, etwas häufiger bei Frauen

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Meist schleichender Beginn mit zunehmenden Schmerzen und einer fortschreitenden Bewegungseinschränkung im Schultergelenk

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Kann primär idiopathisch oder sekundär durch zugrunde liegende systemische Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus oder Schilddrüsenfehlfunktionen auftreten

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Etwa 90 % der Betroffenen sprechen auf nichtoperative Therapiemaßnahmen an, und rund 80 % erreichen eine nahezu normale Schulterfunktion

Aus der Praxis

Frau Meier, 52 Jahre, bemerkt seit einigen Wochen einen zunehmenden Schulterschmerz rechts, der sie nachts beim Liegen auf der Seite wachhält. Mittlerweile fällt ihr auf, dass sie den BH-Verschluss auf dem Rücken kaum noch schließen kann und beim Anziehen der Jacke deutlich eingeschränkt ist. Der Hausarzt hat ein Röntgenbild gemacht – alles unauffällig. Frau Meier ist verunsichert: Kein sichtbarer Befund, aber trotzdem so eingeschränkt?

Das solltest du wissen

Was ist eine Frozen Shoulder?

Die Frozen Shoulder (Schultersteife) ist eine schmerzhafte Erkrankung des Schultergelenks, bei der sich die Gelenkkapsel entzündet, verdickt und schrumpft – dadurch wird die Beweglichkeit des Arms zunehmend eingeschränkt. Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt; sie kann ohne erkennbaren Auslöser entstehen oder als Folge einer Verletzung, Operation oder Vorerkrankung auftreten. Der Verlauf zieht sich häufig über mehrere Monate bis Jahre hin, bildet sich aber in den meisten Fällen wieder zurück. Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Stadium und reicht von gezielter Physiotherapie über Injektionen bis hin – in hartnäckigen Fällen – zu operativen Verfahren; welches Vorgehen am besten wirkt, wird in der Forschung nach wie vor diskutiert.

Typische Begleiterkrankungen/Risikofaktoren

Der stärkste Risikofaktor ist Diabetes mellitus. Das Risiko für eine Frozen Shoulder ist bei Diabetikern deutlich erhöht — die Prävalenz liegt bei 4 bis 22 Prozent gegenüber 2 bis 5 Prozent in der Normalbevölkerung. Deshalb wird bei neu diagnostizierter Frozen Shoulder ein Diabetes-Screening empfohlen — ein erheblicher Teil der Betroffenen hat eine bisher unerkannte diabetische Stoffwechsellage. Auch bei Schilddrüsenfunktionsstörungen liegt die Prävalenz bei bis zu 10,3%. Zudem wird ein kombiniertes Auftreten zusammen mit dem Morbus Dupuytren beobachtet.

Weitere beobachtete Komorbiditäten werden in der Leitlinie der DGOU als mit der Schultersteife in Zusammenhang stehend beschrieben: Dyslipidämie, M. Parkinson (Inzidenz bis 12,7%), Psychiatrische Erkrankungen (Zusammenhang umstritten), Kardiopathie, Herzschrittmacher, Nephrolithiasis, bestimmte Krebserkrankungen, Z. n. neurochirurgischem oder herzchirurgischem Eingriff, Autoimmunerkrankungen, Asthma, Niereninsuffizienz, Apoplex.

Einteilung und Symptome

Die Frozen Shoulder lässt sich auf zwei Arten einordnen: nach ihrer Ursache und nach ihrem zeitlichen Verlauf.

Nach der Ursache unterscheidet man in die primäre (idiopathische) und sekundäre Form. Bei der primären, idiopathischen Frozen Shoulder zeigen sich schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Schulter, ohne dass eine zugrunde liegende Ursache identifizierbar ist. Zu den sekundären Ursachen zählen z.B. ein vorausgegangenes Trauma, andere Schultererkrankungen, frühere Schulteroperationen, längere Immobilisation, oder Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus.

Von vielen – nicht von allen – Autorinnen und Autoren wird ein typischer Verlauf der primären Schultersteife in drei Phasen beschrieben, der klassische Ablauf der Phasen ist variabel und insbesondere bei sekundären Formen der Schultersteife häufig nicht
gegeben. Dennoch folgend als grobe Übersicht.

1. Freezing-/ Entzündungsphase

Dauer: 2–10 Monate

Merkmale: Zunehmende Schmerzen – sowohl bei Bewegung als auch in Ruhe – sowie beginnende Bewegungseinschränkungen. Die Außenrotation zuerst und am deutlichsten. Häufig Nachtschmerzen.

2. Frozen-/ Steifephase

Dauer: 3–12 Monate

Merkmale: Der Schmerz lässt meist nach, aber die Steifheit der Schulter bleibt bestehen. Typisch: Die aktive und passive Beweglichkeit sind zu gleichem Maße eingeschränkt.

3. Thawing-/ Auftauphase

Dauer: 5–24 Monate

Merkmale: Weitere Schmerzabnahme sowie allmähliche Verbesserung der aktiven und passiven Beweglichkeit. Dennoch: Die vollständige Erholung kann mehrere Jahre dauern.

Diagnostik

Zu Beginn der Erkrankung ist es für medizinisches Fachpersonal häufig schwierig, eine Frozen Shoulder zuverlässig zu erkennen. Eine sorgfältige Anamnese über gezielte Fragen ist daher von großer Bedeutung. Die Diagnose basiert auf dem Vorliegen von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bei gleichzeitig normalem Röntgenbefund des Schultergelenks.
Im späteren Phasen können MRT-Aufnahmen eine Verdickung der Gelenkkapsel und umliegender Bänder zeigen. Auch der Ultraschall hat sich als wertvolles diagnostisches Instrument etabliert.

Prognose

Der Verlauf einer Frozen Shoulder variiert erheblich zwischen den Betroffenen. In den meisten Fällen erstreckt sich die Erkrankung über einen Zeitraum von 12 bis 36 Monaten, wobei einzelne Studien Krankheitsverläufe von bis zu sieben Jahren beschreiben. Zwar kommt es bei vielen Patient:innen im Laufe der Zeit zu einer spontanen Besserung der Beschwerden, die Annahme einer ausnahmslos vollständigen Selbstheilung gilt jedoch heute als überholt. So zeigen aktuelle Untersuchungen, dass 40 bis 50 % der Betroffenen auch Jahre nach der Diagnose weiterhin unter Schmerzen oder einer eingeschränkten Schulterbeweglichkeit leiden. Innerhalb von fünf Jahren nach der ersten Episode entwickeln etwa 17% der Betroffenen auch auf der kontralateralen Seite eine Frozen Shoulder.

Die konservative Behandlung führt bei der Mehrzahl der Patient:innen zu einer deutlichen funktionellen Verbesserung. Etwa 90 % sprechen auf nichtoperative Therapiemaßnahmen an, und rund 80 % erreichen eine nahezu normale Schulterfunktion. Dennoch verbleiben bei 10 bis 20 % der Betroffenen Restbeschwerden. Während sich die Beweglichkeit häufig weitgehend wiederherstellt, wird ohne gezielte Therapie nur bei etwa der Hälfte der Patient:innen eine vollständige Schmerzfreiheit erreicht. Ein längerer oder ungünstigerer Krankheitsverlauf wird insbesondere bei Personen mit Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen beobachtet.

Behandlung

Solange der Schmerz führt

Leichte Pendelbewegungen, Bewegen im schmerzfreien Bereich, kein forciertes Dehnen. Ergänzend können NSAR und Kortison helfen, am besten in Kombination mit Physiotherapie statt als Medikament allein. Eine ins Gelenk gespritzte Kortison-Injektion lindert vor allem kurzfristig den Schmerz, ohne die Beweglichkeit direkt zu verbessern. Am ehesten lohnt sie sich, wenn die Beschwerden noch unter einem Jahr bestehen. Reicht die Wirkung nicht, folgt manchmal eine zweite Spritze, oder selten eine Operation. Als weitere Optionen gelten Hydrodilatation und PRP-Injektionen, beide mit vielversprechenden, aber noch nicht endgültig gesicherten Ergebnissen.

Sobald die Steifheit führt

In dieser Phase können Mobilisationstechniken der Schulter die Schmerzen lindern und Beweglichkeit sowie Funktion verbessern – besonders wirkungsvoll ist die Kombination mit gezielten endgradigen Dehnübungen. Als alleinige Maßnahme reicht Mobilisation jedoch nicht aus, weshalb sie als Teil eines individuell abgestimmten Übungsprogramms eingesetzt wird. Häufige Inhalte sind hier die Kräftigung der Außenrotatoren und der Schulterblattmuskulatur. Ebenso hilfreich: weniger Angst vor Bewegung und mehr Vertrauen in die eigene Schulter. Wenig bis nichts bringen dagegen Elektrotherapie, Stoßwelle oder Ultraschall ohne aktive Übungen daneben.

Wenn konservativ nicht reicht

Bei rund 10–15 % wird nach einem halben bis dreiviertel Jahr ohne ausreichende Besserung operiert. Entweder durch Mobilisation unter Narkose oder arthroskopische Kapselspaltung. Zu bedenken: Die Ursache (z.B. Diabetes) bleibt unbehandelt dennoch

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Auch wenn Geduld gefragt ist: Mit der richtigen Begleitung lässt sich der Weg durch die Frozen Shoulder aktiv gestalten.

Sieben Mythen zur Frozen Shoulder

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